„Abschied ist die Möglichkeit für neue Erfahrungen“

Mit einer feierlichen Sonntagmesse und begleitet von Diakon Hartmut Berkowsky sowie Probst Martin Tengel (Hannover; v. li.) verabschiedete sich Pfarrer Jan Kowalski (Mi.) von der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus Burgdorf/Hänigsen/Uetze. (Foto: Georg Bosse)

Jan Kowalski als Seelsorger der katholischen St. Nikolaus-Pfarrgemeinde entpflichtet

BURGDORF/HÄNIGSEN/UETZE (gb). In althergebrachten Vorstellungen war und ist der Johannistag (24. Juni) mit sehr viel Zaubermacht erfüllt. Nach heidnischem Brauch muss derjenige, der Krankheiten und Unheil überwinden möchte, durch das „Johannisfeuer“ springen. Der Johannistag ist auch der Gedenktag der Geburt Johannes des Täufers und das Ende der Erntezeit des „königlichen Gemüses“ - des Spargels. Von den Symboliken her passte also alles zusammen, um Pfarrer Jan (Kurzform v. Johannes) Kowalski just an diesem Tag aus der katholischen Pfarrgemeinde St. Nikolaus (Burgdorf) mit ihren Kirchenorten Hänigsen (St. Barbara) und Uetze (St. Matthias) mit einem Gottesdienst „Im Langen Mühlenfeld“ offiziell zu verabschieden. Die feierliche Sonntagsmesse wurde von Ulrike Brinkmann (Querflöte) und Josef Ecke (Orgel) kirchenmusikalisch begleitet.
Durch das „Johannisfeuer“ musste der scheidende Seelsorger zwar nicht springen. Aber Propst Martin Tenge, der zur so genannten Entpflichtung aus Hannover angereist war, konnte oder wollte auch die schwierigen Zeiten nicht unerwähnt lassen, die in der gut vierjährigen Amtszeit Jan Kowalskis ihre Spuren hinterlassen haben. „Abschiede sind Möglichkeiten, neue Erfahrungen zu machen“, sagte der Regionaldechant, der dem Geistlichen, ganz im Sinne von Bischof Norbert Trelle (Hildesheim), eine segensreiche Zukunft an seiner neuen Wirkungsstätte Salzgitter/Lebenstedt wünschte.
In seiner letzten Predigt als Pfarrer der St. Nikolaus-Pfarrgemeinde wies der gebürtige Danziger auf die aktuellen Entwicklungen hin, die der katholischen Kirche größte Sorgen bereiten sollten: „Wir nehmen ab an Aufgaben, an Gebäuden, an Geld und an Gottesdienstbesuchern. Und damit auch an Bedeutung und Einfluss. Deshalb wünsche ich mir, dass sich die Kirche nicht im Alten verwaltet, sondern sich fruchtbar für die Menschen unserer Tage macht.“
Diese eindringlichen Worte nahmen auch Bürgermeister Alfred Baxmann, der Ortsbürgermeister von Hänigsen, Norbert Vanin, die Vertreter der Evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden Burgdorfs, die Pastoren Matthias Paul (Paulus) und Michael Schulze (St. Pankratius), sowie eine Abordnung aus der katholischen Partnergemeinde Calbe/Schönebeck (Sachsen-Anhalt), wahr.
In der sich der Messe anschließenden „weltlichen“ Zeremonie kam bei der verklausulierten Abschieds- und Dankesrede der 1. Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates, Angelika Wirz, die Ahnung auf, dass in der Zusammenarbeit mit Pfarrer Kowalski nicht immer Konsens geherrscht haben konnte. Aber: „Uns werden ihre prägnanten und inhaltsschweren Predigten immer in guter Erinnerung bleiben, die nicht selten auch Inspiration waren“, so Angelika Wirz.
Alfred Baxmann bezeichnete Jan Kowalski als einen Gesprächspartner, der bei zahlreichen Veranstaltungen nicht nur viel zu erzählen, sondern auch viel zu sagen hatte. „Bleiben Sie uns ein Burgdorf-Botschafter in Salzgitter“, bat Baxmann den 56-Jährigen, als er ihm einen Burgdorfer Bildband zur Erinnerung überreichte.
Der Nachfolger von Jan Kowalski als Pfarrer der katholischen St. Nikolaus-Pfarrgemeinde Burgdorf/Hänigsen/Uetze, Martin Karras, wird am Sonntag, 9. September, in sein Amt eingeführt.