50 Jahre Familien- und Erziehungsberatungsstelle Burgdorf

Sie stellten das Programm des Tags der offenen Tür und aktuelle Beratungszahlen der Familien- und Erziehungsberatungsstelle Burgdorf vor: Esther Quindt, Teamleiter Matthias Möller und Christine Schütze (v.l.). (Foto: Region Hannover)
 
Mit ihren Betreuern Marcel und Melina (hi; v.l.) gastierte ein Teil des Johnny B.-Kinderzirkus` „Kritzpritzknuckelmuckeldü“ anlässlich des Jubiläums der Familien- und Erziehungsberatungsstelle im Burgdorfer Schlossgarten. (Foto: Georg Bosse)

Beratungsbedarf im sich verändernden Gesellschaftsumfeld unverändert hoch

BURGDORF/REGION (gb). Mit einem „Tag der offenen Tür“ feierte die Familien- und Erziehungsberatungsstelle im Burgdorfer Schloss ihren 50. Geburtstag. Während sich die Erwachsenen über die Angebote und die Arbeit der Beratungsstelle informieren konnten, gab es für große und kleine Kinder den Mitmach-Zirkus sowie ein Kinderschminken mit den jungen Artisten von „Kritzpritzknuckelmuckeldü“ des Burgdorfer Jugendzentrums Johnny B., die ihre bunte Manege im Schlossgarten aufgebaut hatten.
Was als mobile Beratung mit einem Therapeutenkoffer und einer Schreibmaschine begann, ist schon lange eine feste Institution im Burgdorfer Land - seit fünf Jahrzehnten finden Eltern und Kinder bei der Familien- und Erziehungsberatungsstelle Rat und Unterstützung.
„In den 50 Jahren der Beratungstätigkeit haben sich die Familien und das gesellschaftliche Umfeld enorm verändert“, sagte Sozial- und Jugenddezernent Erwin Jordan von der Region Hannover. „Die Familien- und Erziehungsberatungsstelle Burgdorf war und ist dabei immer auf hohem Niveau in der Lage gewesen, Eltern und Kinder fachkundig und nach neuesten Erkenntnissen zu beraten. Das ist eine tolle Leistung und ein Ansporn für die Zukunft zugleich.“ Die Familien- und Erziehungsberatungsstelle sei seit einem halben Jahrhundert eine feste und wichtige Größe in der sozialen Infrastruktur der Stadt Burgdorf, setzte Bürgermeister Alfred Baxmann hinzu.
„Es ist eine Freude zu sehen, wenn Kinder und Jugendliche trotz widriger Umstände eine positive Entwicklung nehmen. Das macht unsere Arbeit so befriedigend“, blickte der Leiter der Regionseinrichtung, Matthias Möller, am Jubiläumstag auf seine bereits 33 Jahre währenden Beratungserfahrungen zurück.
Gegründet wurde die Burgdorfer Erziehungsberatung 1963 als Schnittstelle zwischen Jugend- und Gesundheitsamt. Von Anfang an war das Angebot kostenlos und auf freiwillige Mitarbeit von Seiten der Familien angelegt – Prinzipien, die bis heute gelten. 1972 bezog die Beratungsstelle ihren ersten festen Sitz in der Burgdorfer Schlossstraße. Im Zuge der Gebietsreform 1974 ging die Zuständigkeit auf den Landkreis Hannover über. 1977 übernahm Gabriele Maske die Leitung des nun umfirmierten „Jugendpsychologischen Dienstes“, die sie bis Ende 2011 inne hat. Ein weiterer Meilenstein war 1982 der Umzug in den westlichen Flügel des Burgdorfer Schlosses, in dem die Beratungsstelle bis heute beheimatet ist. Durch die Bedeutung der nun Familien- und Erziehungsberatungsstelle genannten Einrichtung über die Stadtgrenzen Burgdorfs hinaus wurden in der Folgezeit regelmäßige Außensprechstunden in Sehnde, Lehrte und Uetze angeboten. 2001 übernahm die neu gegründete Region Hannover die Beratungsstelle. Seit 2012 leitet Matthias Möller die Einrichtung, in der der Sozialpädagoge und Familientherapeut bereits seit 1980 Familien berät.
„Früher haben die Erziehungsberater ihr Augenmerk vor allem auf die Beziehung zwischen Eltern und Kind gerichtet“, so Matthias Möller. „Heute nehmen wir das gesamte soziale Umfeld des Kindes in den Blick.“ Fast 900 Familien wurden allein im Jahr 2012 beraten, im gleichen Jahr haben sich 575 Eltern neu angemeldet. Der Bedarf nach Rat und Unterstützung ist auch im 50. Jahr des Bestehens der Beratungsstelle Burgdorf unverändert hoch – und das, obwohl die Zahl der Kinder über die Jahrzehnte gesunken ist. Den Grund für die hohe Nachfrage nach Beratungen sieht Matthias Möller unter anderem in der steigenden Zahl von Trennungen. „Im Zuge des Scheidungsprozesses kommt es leider immer wieder zu Konflikten, die sich belastend auf die Kinder auswirken. Dabei geht es vermehrt darum, dass manche Eltern nicht bereit sind, für Kinderbetreuung und Erziehung im Berufsleben kürzer zu treten. Früher haben die Eltern darum gekämpft, nach einer Trennung möglichst viel Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können. Heute entsteht immer häufiger Streit, weil sich einer der beiden Partner zu wenig um die gemeinsamen Kinder kümmert“, erklärt der erfahrene Sozialpädagoge und Familientherapeut.
Nur noch 39 Prozent der bei der Familien- und Erziehungsberatungsstelle Burgdorf angemeldeten Kinder wachsen mit beiden leiblichen, miteinander lebenden Eltern auf. 43 Prozent der Kinder leben bei ihren alleinerziehenden Eltern, 16 Prozent in Patchworkfamilien. „Neben dem alltäglichen Stress, Beruf und Betreuung unter einen Hut zu bekommen, erleben wir, dass vor allem Alleinerziehende zunehmend in ökonomische Schieflagen geraten und von Armut bedroht sind, was das Familienleben zusätzlich belastet“, so Möller.
Seit drei Jahren legen die Familien- und Erziehungsberatungsstellen der Region Hannover einen besonderen Fokus auf die Arbeit mit Kindern unter sechs Jahren. Während der Anteil der Familien mit Kindern von 0-6 Jahren an der Gesamtzahl der Anmeldungen 2010 nur 15 Prozent betrug, ist er im Jahr 2012 auf 25 Prozent gestiegen. Um diese Zielgruppen rechtzeitig zu erreichen, kooperiert die Familien- und Erziehungsberatungsstelle Burgdorf auch mit Krippen und Kindergärten. Darüber hinaus arbeiteten die Beratungsstellen mit Kinderärzten, Hebammen, Kliniken und Jugendämtern zusammen.
Im Jubiläumsjahr ist das Team der Familien- und Erziehungsberatungsstelle Burgdorf auch Gastgeber der zweitägigen wissenschaftlichen Jahrestagung der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung Niedersachsen. Am Donnerstag, 14. November sowie am Freitag, 15. November, diskutieren Expertinnen und Experten über das Thema: „Familie 2.0 – Gemeinsames Aufwachsen in der digitalen Welt.“
Das Angebot der Familien- und Erziehungsberatungsstellen ist kostenlos und vertraulich. Anmeldungen unter Telefon: (05136) 6078. Weitere Informationen auch unter www.hannover.de.