12 Mädchen aus Tschernobyl zu Gast in Lehrte

Eine aufregende Zeit in Lehrte für die Kinder aus Tschernobyl.
 
An den Vormittagen werden die Mädchen mit vielfältigen Bastelaktionen beschäftigt.

Ausflüge, Aktionen, Sport und Spiel stehen auf dem Freizeit- Programm

DANA NOLL

LEHRTE. Die 11-jährige Jana Morava ist begeistert. „Vor allem von den sauberen Straßen, den vielen Bäumen und den netten Menschen“, erzählt sie uns. Ihre Heimat ist Gomel, im Süden von Weißrussland, dem Gebiert, das von der Atomkatastrophe Tschernobyl am schwersten betroffen war. Hier lebt sie mit ihren Eltern und ihren zwei Brüdern, „die sind fünf und fünfzehn“, erzählt sie. Sie geht auf eine Kunstschule. Bis 14 Uhr gibt es hier „normalen Unterricht, dann Mittagessen und am Nachmittag gibt es Tanztraining“, so Jana. „4 Mal die Woche, vier Stunden lang, das ist anstrengend, macht aber großen Spaß. Tanzen ist meine Leidenschaft!“
Die Schülerin ist mit elf weiteren Mädchen für vier Wochen zu Gast in Lehrte. Mit ihrer Gastfamilie hatte sie viel Glück. „Sie haben auch eine Tochter, die ist 12 und heißt Pia und sie sprechen russisch“, so Jana. Und, „es gibt sogar Nutella und Spaghetti, das mag ich am liebsten“, fügt sie schmunzelnd hinzu.
Auch die anderen Mädchen warteten ungeduldig auf ihren Abflug nach Hannover, um hier bei ihren Gastfamilien aus Lehrte, Ahlten, Ilten, Sievershausen und Großburgwedel eine schöne Zeit zu erleben.
Dabei wäre das Projekt in diesem Jahr fast ins Wasser gefallen. „Wir hatten große Sorge, denn es gab nicht genügend Gastfamilien. Zum Glück wurden unsere Aufrufe noch erhört“, berichtet der Diakon der Matthäusgemeinde Sven-Oliver Salzer.
Seit fast 25 Jahren kommen Kinder aus Tschernobyl in ihren Sommerferien für 4 Wochen nach Lehrte zu Besuch. Die 12 Mädchen im Alter von 9 bis 12 Jahren, die von einem Dolmetscher begleitet werden, erwartet ein vielfältiges Programm.
An den Vormittagen in der Woche werden sie mit Spiel- und Bastelaktionen von ehrenamtlichen Helfern betreut. An den Nachmittagen oder am Wochenende erwartet die Mädchen ein Besuch im Anderen Kino, in dem ein russisch-sprachiger Film gezeigt wird, ein Blick in die Backstube Klöpper oder hinter die Kulissen der dm Filiale. Auch ein Besuch im Wasserturm mit den Stadtwerken Lehrte oder des Antikriegshauses in Sievershausen stehen auf dem Programm. Bereits zum 9. Mal dabei und immer ein besonderes Highlight, ist der Besuch der Freiwilligen Feuerwehr Ilten. Hier gibt es Spiel und Spaß mit der Jugendfeuerwehr sowie eine Übernachtung im Gerätehaus. Bei dem Traumwetter locken auch die Freibäder in Lehrte und Arpke, für die es wieder Freikarten gab – für 4 Wochen und für die gesamte Gastfamilie! „Das ist immer eine tolle Aktion, so können sich die Gasteltern auch untereinander mal treffen und im Schwimmbad zusammen Spaß haben“, berichtet Karoline Litza, die sich als aktive Betreuerin für das Projekt engagiert und selbst mehrfach Gastmama war. Noch immer hat sie Kontakt zu ihrem ersten Gastkind Tatjana, die heute bereits studiert. „Das war eine schöne Erfahrung. Tatjana war gleich zwei Mal bei uns. In diesem Jahr besucht sie Deutschland, dann wollen wir uns treffen“, erzählt Karoline Litza erfreut.
„So ergeht es vielen Gastfamilien, sie pflegen oft noch über das Projekt hinaus den Kontakt zu den Kindern“, berichte Salzer, „Es ist schön, dass das Projekt so lange überlebt habt. Das Schlimmste ist, das Vergessen werden!“