10 Jahre „Equal Pay Day“

Auch zum 10. Jahrestag wurde mit Trillerpfeifen und Warnwesten gegen die Lohnunterschiede am Equal Pay Day protestiert. (Foto: Dana Noll)

SoVD Frauen und Gleichstellungsbeauftragte demonstrierten in Burgdorf

BURGDORF (dno). In diesem Jahr jährte sich der „Equal Pay Day“, der Tag der Entgeltgleichheit, bereits zum 10. Mal. Das bedeutet, am 18. März wurden Frauen das erste Mal in diesem Jahr entlohnt, denn bis zu diesem Tag, dem sogenannten Gender Pay Gap, arbeiteten sie „umsonst“. Das heißt 78 Tage wurden Leistungen erbracht, für die ihre männlichen Kollegen bereits ab 1. Januar 2017 bezahlt wurden.
Doch, obwohl die Lohnungleichheit in Deutschland eine Dauerbaustelle zu sein bleibt, haben die Frauen in den vergangenen zehn Jahren aufgeholt. Der erste Equal Pay Day wurde nämlich noch am 23. April begangen.
„Dennoch ist es immer noch skandalös, dass die Entgeltungleichheit zwischen Männern und Frauen, laut dem Statistischen Bundesamt, aktuell noch bei 21 Prozent liegt“, so Christa Huwald, Kreisfrauensprecherin der SOVD Frauen.
Und so machten sie in bewährter Tradition auch in diesem Jahr wieder mit einer Aktion auf dem Schützenplatz auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam. Bekleidet mit gelben Warnwesten und roten Sonnenbrillen waren die etwa 30 Frauen auf dem Wochenmarkt in Burgdorf nicht zu übersehen. Gemeinsam mit der Gleichstellungsbeauftragten Petra Pape bauten sie auf dem Wochenmarkt eine Mauer aus Kartons auf, um diese dann unter lautem Trillerpfeifen wieder einzureißen.
Das Interesse galt in diesem Jahr vor allem jungen Frauen. So zeigt die jüngste OECD Studie, dass immer mehr Mütter mit Kindern berufstätig sind. Durch den Ausbau der Kinderbetreuung und das Elterngeld sind erstmalig in der bundesdeutschen Geschichte gute Voraussetzungen für die Erwerbstätigkeit von Frauen entstanden. Allerdings, „müssen Frauen für eine Berufstätigkeit immer noch sehr viele Hindernisse überwinden und Nachteile in Kauf nehmen“, berichtet Petra Pape, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Burgdorf. So ist die Quote der geringfügig entlohnten beschäftigten Frauen massiv gestiegen. Selbst Akademikerinnen lassen sich auf den Kompromiss einer vorübergehenden geringfügigen Beschäftigung ein. Sie sind oft sogar bereit, in Jobs zu arbeiten, die nicht ihren Qualifikationen entsprechen, wenn sie damit Beruf und Familie vereinbaren können.
So zeigt die Arbeitsmarkt-Statistik, dass Frauen nach akademischen Abschlüssen, darin kaum vorkommen. Kurz nach Familiengründung stehen sie dem Arbeitsmarkt wegen der fehlenden passgenauen Beschäftigungsangebote, die Familie und Beruf gut vereinbaren lassen, oftmals nicht zur Verfügung. „Eine traurige Bilanz im 21.Jahrhundert. Angesichts des aktuellen Fachkräftemangels und volkswirtschaftlich gesehen, werden die enormen Potenziale von Frauen vergeudet,“ so Pape.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Altersvorsorge. Denn wo nur gering verdient wird, kann auch keine ausreichende Altersvorsorge aufgebaut werden. Im Rentenalter klafft somit eine große Versorgungslücke. Frauen bekommen im Durchschnitt etwa 50 Prozent weniger Rente ausbezahlt – Altersarmut ist vorprogrammiert.
So fordern die Gleichstellungsbeauftragten in Niedersachsen, die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt sicher zu stellen, Minijobs als Haupterwerbstätigkeit zu verbieten, die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern, steuerliche Fehlanreize, wie beispielsweise das Ehegattensplitting aufzuheben und Berufe in denen überwiegend Frauen beschäftigt sind, durch eine bessere Bezahlung aufzuwerten. „Die faktische Gleichstellung der Geschlechter kann erst dann erreicht sein, wenn Frauen durch ihre eigene Erwerbstätigkeit – unabhängig vom Partner – ihre Existenz mit ihrem Einkommen sichern können“, so Anne Behrends aus dem lag-Vorstand.